Die unendliche Geschichte der Zigeunerclique Neuenburg
Natürliche Personen, so wie du und ich, haben einen Lebenslauf,
Vereine ebenso.
Die Zigeunerclique hat ein Alpha, das heißt einen Anfang. Es hatte
so begonnen, daß man sich regelmäßig am Stammtisch getroffen hat,
zum sogenannten "Stammtischtreffen". Diese Clique gab sich
den Namen "Pump up", denn es waren nur Männer zugelassen
(als hätten die den Humor allein gepachtet). Sitzungsort war
übrigens die Villa Plön.
Kurz vor der 5. Jahreszeit kamen die Herren auf die Idee, am
Fasnachtsumzug teilzunehmen. Gesagt getan. Und diese Idee
wurde realisiert und über all die Jahre fortgesetzt. Die Themen und
die Beiträge waren variabel und vielseitig. Programmpunkte reichten
vom Marktgeschehen über Affen, Asterix und Obelix und hin zu den
Fixpunkten.
Spiritus rector, treibende Kraft und Manager war damals Fred-Stefan
Kößler, kräftig unterstützt von Erwin Vogel und Karl-Heinz
Himmelmann.
Eine Woche vor dem Umzug fuhr Freddy durch die Straßen von Neuenburg
und sammelte hübsche Mädchen, andere gibt es nicht, und andere, die
gewillt waren, am Umzug gemeinsam mitzumachen.
Am Fasnachtssamstag wurden dann Kostüme entworfen und geschneidert,
sowie Wagen gebastelt. Hühner wurden organisiert, Hasen rekrutiert,
ebenso Geißen und Schindmähren angemustert. Bis heute ist noch nicht
erforscht, woher die Initiatoren das alles hergeholt hatten.
Außerdem und ohnehin, die Sache ist verjährt und das weitere
Nachforschen hätte nur historische Bedeutung.
Es war anno 1974, als wir zum ersten Mal als Zigeunergruppe am Umzug
offiziell teilnahmen. Und seit dieser Zeit wurde immer wieder auf
das Zigeunermotiv zurückgegriffen. Nach und nach kaufte man aus
eigener Tasche Leiterwagen und Traktoren. Beim Müller Sepp bauten
wir uns einen Verschlag, um den Gerätschaften und Utensilien eine
geborgene Bleibe zu bieten.
Um die Kräfte zu stabilisieren, servierte uns Müller Sepp ab und an
einen, manchmal auch zwei Krüge Wein. Gott und Sepp sei Dank.
Das Kind war geboren und die Clique wurde peu à peu größer.
Von Veranstaltung zu Veranstaltung und von Umzug zu Umzug gewannen
wir an Gewicht. Nicht nur in Kilogramm, sondern auch Qualitativ.
Pannen blieben natürlich nicht aus. Ein Zwischenfall wie Freddys
Abschuß mit der Konfettischleuder oder die durchgegangenen Gäule und
Funkenmariechen Peter, wie die gebrochenen Rippen des Obelix waren
kein Grund uns im Tatendrang zu bremsen.
1984 wurde die Idee geboren, den ersten Zigeunerball in der
Bahnhofsgaststätte zu kreieren. Die Bahnhofsgaststätte ist
international unter der Bezeichnung "Kischtle" bekannter.
Ein Jahr später (für unsere Müllheimer Freunde, also 1985) wagte man
den Schritt in die legendäre Altrheinhalle ¯ und diese Stunden
sind heute noch unvergessen.
Anno 1986 machte Fred¯Stefan Kößler aus diesem verschworenen
Haufen einen eingetragenen Verein und führte diesen viele Jahre mit
seiner Ruhe, bis er, aus beruflichen Gründen, sein Amt anno 1990 an
Reinhold Orth abgab. Schon 1991 hat Reinhold Orth das Zepter an
Erwin Vogel weitergegeben. Dieser wiederum wurde beerbt von Sigmar
Burgert. Er, der Zigeunerbaron Sigmar, herrscht und regiert nun über
140 Mitglieder. Seit 1994 leitet er mit Talent und fester Hand die
Geschicke des Vereins.
Doch sind es nicht nur die Vorsitzenden und Barone die diesen Verein
aufgebaut und weitergeführt haben. Die Zahl der stillen ¯ und
lauten ¯ Mitarbeiter ist fast immens und anders ginge es auch
nicht. Alle aufzuzählen wäre ein schwieriges Unterfangen, dem wir
uns nicht hingeben möchten.
Wir sind ein lebendiger Verein, eine vitale und dynamische Clique
und genau aus diesem Grunde sind wir nicht nur an Fasnacht aktiv,
sondern auch in den anderen vier Jahreszeiten, also das ganze Jahr
hindurch.
Veranstaltungen werden organisiert und an diesen und anderen auch
teilgenommen, zum Beispiel Zigeunerbrunch, Spiel ohne Grenzen,
Fußballturniere, Bewirtung bei Festen und manchmal werden
unverhoffte Feste aus der Taufe gehoben und gestartet.
So hoffen und wünschen wir, daß wir noch lange Bestand haben und uns
in Zukunft Glück und Geschick beiseite stehen.
Uns selbst, aber auch allen Fasnächtlern glückliche Jahre.